ALDI-Süd verkauft Melitta-Kaffeevollautomat

Der Markt im Einzelhandel ist stark umkämpft. Jeder Mitbewerber ist bestrebt, seine Position auszubauen und weiter zu festigen. Das gilt auch für den Bereich Lebensmittel, in dem verschiedenste Aktionen und Maßnahmen helfen sollen, Kunden zu gewinnen und zu binden. Einen zunehmenden Stellenwert nimmt dabei die Non-Food-Ware ein, deren Anteil am Geschäftsumsatz stetig steigt.

Das klingt plausibel und ist vielleicht auch ein Stück weit verständlich. Außerdem ist es für uns Kunden angenehm, im Lebensmittel-Laden gleich den einen oder anderen Gebrauchsgegenstand mit zu kaufen, ohne länger suchen oder ein anderes Geschäft ansteuern zu müssen.

Allerdings sollte sich alles in einem gewissen Rahmen bewegen. Und den hat ALDI-Süd mit dem Verkauf von Melitta-Kaffeevollautomaten eindeutig in mehrere Richtungen überschritten. Aus meiner Sicht fast nebensächlich, aber dennoch erwähnenswert, ist der Verkaufspreis von 299,-€. Das gleiche Gerät wird im Internet bei verschiedenen Händlern mit ca. 360,-€ gehandelt, im Melitta-Onlineshop sogar für vergleichsweise „satte“ 449,-€. Man kann nur spekulieren, welche Gründe Melitta bewegten, diesem Vorgang zu zustimmen. Dem Fachhandel gräbt man zudem mit einer solchen Verkaufsstrategie sukzessive das Wasser ab. Betrachtet man die bauliche Ähnlichkeit mit Geräten von Nivona, Bosch, Siemens und Miele, wird diese Vermutung noch verstärkt.

Das größte Problem sehe ich, wenn ein Defekt an den Geräten auftritt. ALDI-Süd verfügt nicht über ein Service- und Reparatur-System. Schon gar nicht eins, dass sich preislich am Verkaufs-Niveau orientiert! Man muss kein Orakel befragen um zu ahnen, was mit den (defekten) Geräten geschehen wird: kaum ein Käufer ist bereit, eine Reparaturrechnung, die die Hälfte der Anschaffungskosten übersteigt, zu bezahlen. Man wartet dann lieber auf ein neues Angebot und legt sich ein moderneres Gerät zu. Leicht wird dabei übersehen, dass ein reparierter Automat durch eine längere Nutzungsdauer günstiger ist.

Die Folgen

Defekte Elektrogeräte landen auf dem Müll und vergrößern die jetzt schon vorhandenen Berge an Elektro-Schrott. Länder in Afrika und China, in die wir bisher bequem unseren Müll abschieben konnten, haben einen diesbezüglichen Einfuhr-Stopp erteilt. Wenn auch spät, so haben doch auch diese Regierungen in der Zwischenzeit die Erfahrung gemacht, dass diese Vorgehensweise zwar eine herstellerfreundliche, aber keineswegs sinnvolle Lösung darstellt.

Der Umwelt wird damit in zweierlei Form geschadet: die Müllberge verpesten die Landschaft über viele Jahrzehnte hinaus und die Produktion neuer Apparate setzt eine weitere Förderung immer knapper werdender Ressourcen voraus. Die Förderung und Aufarbeitung der Rohstoffe und die Herstellung selbst belasten die Umwelt ihrerseits zusätzlich.

Natürlich widerspricht das alles unserer Philosophie „Reparieren statt Wegwerfen“. Wir, das reparierende Handwerk mit vielen freien und unabhängigen Werkstätten, beobachten solche Aktionen mit Unverständnis und Schrecken. Verkaufsstrategien dieser Art, die nur auf Umsatz durch Neukauf ausgelegt sind, gefährden unsere Existenz. Was hilft unser Engagement, wie z.B. die Reparatur-Revolution, wenn große Ketten, ohne Rücksicht auf die Folgen, so handeln?!

Ich appelliere an jeden Einzelnen: Reparaturen schonen den eigenen Geldbeutel. Sie helfen die Umwelt und Arbeitsplätze zu erhalten.

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