Ein wachsendes Umweltbewusstsein rückt für Menschen aller Altersklassen zunehmend in den Fokus; nicht nur am Freitag (FFF-Demos). Das ist auch gut so. Jeder einzelne von uns kann seinen Beitrag dazu leisten. Stellvertretend zu den vielen Möglichkeiten betrachten wir in diesem Beitrag nur einen Bereich: Elektroschrott geht uns alle an!

 

Getreu dem Motto: „Reparieren ist besser als Wegwerfen“ stehen die Reparatur und die Reparierbarkeit von elektrischen Geräten im Zentrum unserer Bemühungen. Daher bieten wir mit einem Netzwerk zertifizierter Meisterbetriebe eine Vielzahl von Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten an. Informationen und Hinweise zu unseren Angeboten finden Sie auf unserer Internetseite.

 

Hintergrund

Im gleichen Maß, wie die technische Entwicklung fortschreitet, steigt das Aufkommen an Elektroschrott. Auf die Europäische Union bezogen, bedeutet das:

  • 1998: sechs Millionen Tonnen
  • 2005: neun Millionen Tonnen, davon in Deutschland 1,1 Millionen Tonnen
  • 2020: (voraussichtlich geschätzt) 12 Millionen Tonnen

 

Ursachen für Elektroschrott

Es ist bequem, aber fadenscheinig, wenn man nur die „big player“ für das stetige Anwachsen des Müllberges verantwortlichen macht. Elektroschrott geht uns alle, auch in der Entstehung. Erst unser Kaufverhalten fördert teilweise (!) das rücksichtslose Vorgehen der Industrie.

Die Gründe sind unter anderem:

  • benötigtes Zubehör oder Verschleißteile sind nicht mehr lieferbar
  • überteuerte Preise für Ersatzteile, sofern überhaupt verfügbar
  • geplante Obsoleszenz (geplante frühzeitige Alterung bei unwirtschaftlicher Reparatur)
  • Reparatur (Handwerk) zu teuer gegenüber Produktion (Automatisierung)
  • Software (keine Updates, keine Kompatibilität zu neuen Programmen)
  • Kundenwunsch nach neuesten und modernsten Geräten
  • Fehlkäufe wegen mangelnder Beratung
  • kein Bedarf an gebrauchten Geräten wegen Marktsättigung

Viele von uns können sich daran erinnern, wie schnell man den klobigen PC-Monitor gegen einen LCD-Bildschirm austauschen wollte. Vom Fernsehgerät, das inzwischen zum Mitnahmegerät wurde, möchte ich erst gar nicht reden. Erwähnenswert, ja sogar notwendig, sind Mobiltelefone. Sehen Sie doch mal in Ihrem Schrank nach und zählen Sie die Handys. Waren die tatsächlich zum Zeitpunkt des Ausrangierens alle schon unbrauchbar? Sie kennen die Antwort.

 

Elektroschrott geht uns alle an

Arbeitsplätze

Ein Blick auf die Geräte und die Verpackungen macht deutlich: es ist Importware. Die Kennzeichnung „Made in Germany“ wird vergeben, wenn der letzte Arbeitsschritt in Deutschland erfolgte. Das Verpacken oder Anbringen eines Aufklebers genügt schon. Jedem sollte klar sein, dass er mit einem Neuerwerb (kaum) Arbeitsplätze in Deutschland sichert. Upcycling aus Elektroschrott ist zwar schön, aber nicht mehr als der bekannte Tropfen auf den heißen Stein.

Ressourcen

Die Vorkommen aller Materialien auf unserer Erde sind endlich. Schon frühzeitig werden wir in der Schule mit dieser Tatsache konfrontiert. Aber halten wir uns daran (siehe Handy)?

Zusätzliches Konflikt-Potential birgt das Ausnutzen von Monopolstellungen, wie wir sie bei Aluminium (durch Goldman Sachs) und Seltene Erden (durch China) beobachten konnten.

Umwelt und Gesundheit

Oft vergessen wir, dass neben den Rohstoffen andere Dinge, die für uns lebensnotwendig sind, verloren gehen. Die Rede ist von Wasser, sauberer Luft, gesunden Böden und Energieträgern. Die deutschen Standards für Umweltschutz und Produktion gelten in vielen Ländern, aus denen die Produkte kommen, leider nicht. Was helfen da die gehobenen heimischen Vorgaben, wenn diese in den Produktionsländern keine Rolle spielen?!

 

Politik

Wurde früher ein Großteil des Elektroschrotts noch ungeordnet entsorgt (Deponie oder Verbrennung), schaffte die deutsche Regierung mit dem Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) vom 16. März 2005 einen rechtlichen Rahmen. Damit setzte Deutschland eine EU-Richtlinie zum Umgang mit Elektroschrott um. Es soll dafür sorgen, dass Altgeräte nicht mehr über den Hausmüll, sondern über ein System von Annahmestellen und spezialisierten Betrieben verarbeitet und entsorgt werden. Wertvolle Rohstoffe stehen somit wiederholt der Produktion zur Verfügung.

An dieser Stelle kann wirklich jeder seinen Anteil leisten. Wenn man sich immer nur auf den anderen verlässt, wird das nichts. Elektroschrott geht uns alle an.

 

Realität

Wir haben das Wissen und die rechtlichen Rahmenbedingungen. Allerdings tragen Bequemlichkeit und fehlende Einsicht zur immer weiteren Verschärfung der Situation bei. Wie viele Akkus und Netzteile landen unüberlegt im Müll? Was hindert uns daran, das alte, aber noch funktionstüchtige Smartphone zu einer Annahmestelle zu bringen?

Leider geschehen solche Dinge nicht nur im Kleinen. Eine regelrechte Elektroschrott-Mafia agiert abseits bestehender Gesetze und Regelungen. Lücken in den Gesetzes-Texten ermöglichen Praktiken, die die Gesundheit und Umwelt in den betroffenen Regionen extrem schädigen. Die Bedingungen, unter denen Rohstoffe rückgewonnen werden, verstoßen nicht nur gegen die bei uns geltenden Bestimmungen, sondern sind zudem moralisch äußerst verwerflich. Elektroschrott geht uns alle an. Damit ist nicht nur der direkte Nachbar gemeint.

Die Aufbereitung von Elektroschrott ist teuer und zeitaufwendig. Angesichts der Rohstoff-Situation sind die Alternativen dazu allerdings rar. Die Verantwortung liegt in den Händen der Industrie, wofür die Politik den rechtlichen Rahmen schaffen muss. Es genügt nicht, den Müllberg nur für die Marktanalyse zu nutzen. Die jeweiligen Anteile haben Auswirkungen auf die Geräte-Entwicklung und schließlich die Produktion.

Glücklicherweise verstärkt sich die ökologische Denkweise auch außerhalb Europas. Einstige Zielorte untersagen zunehmend den Import von Müll in ihre Länder.

 

Reparatur als Alternative

Mit der Aktion Reparatur-Revolution führt Detlef Vangerow, Geschäftsführer der Vangerow GmbH in Reutlingen, seine Bemühungen für bessere Reparaturbedingungen fort. Er setzt sich dafür ein, dass die oben genannten Ursachen für den Elektroschrott erheblich abgeschwächt werden. Ein deutlicher Erfolg in seinem Kampf stellt dabei die Verabschiedung der neuen Ökodesign-Richtlinie der EU dar.

Reparaturen haben unter anderen folgenden Vorteilen:

  • Schaffung von Arbeitsplätzen im Handwerk
  • finanzielle Entlastung der Haushalte durch günstige Reparaturkosten
  • Ansprechpartner vor Ort
  • Erhalt von Know-how
  • Schonung von Ressourcen und Umwelt
  • Verminderung des Müllberges
  • Defekte Teile werden umweltgerecht entsorgt

 

Was heißt das für mich?

Produktion, Neukauf, Müllberg, Ökologie und Reparatur gehören mit all Ihren Auswirkungen zusammen. Überlegen Sie, um bei einem Beispiel zu bleiben, ob Sie Ihr ein bis zwei Jahre altes Smartphone ersetzen müssen. Ist die Investition von über 1.000,- EUR notwendig, wenn doch das „alte“ noch zwei Jahre genügt? Sogar dann noch, wenn eventuell eine Reparatur oder der Austausch eines Verschleißteils ansteht?

Die bedarfsgerechte Beratung und die Reparatur vom Fachmann um die Ecke spiegeln sich in Ihrer Geldbörse und in unserer Umwelt wider.

Schuld für den Müllberg haben nicht immer die anderen: Elektroschrott geht uns alle an.

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