Normalerweise flimmern unsere Gesichter über Kacheln auf Computerbildschirmen: Das Bündnis Runder Tisch Reparatur e.V. (RTR) vernetzt Akteure quer durch ganz Deutschland – und tauscht sich im Arbeitsalltag fast ausschließlich digital aus. Umso größer war die Freude, als sich die Reparaturszene am Dienstag, den 13. Oktober 2026, zu ihrem einzigen großen Präsenztreffen des Jahres bei uns vor Ort in Reutlingen-Mittelstadt versammelte.
Für einen Tag wurde unsere Firmenzentrale zum Treffpunkt für Handwerk, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Politik. Ein Tag voller intensiver Debatten, Wiedersehensfreude, handfester Zukunftspläne – und einer ganz besonderen Auszeichnung.
Feierlicher Moment: „Goldener Schraubenzieher 2026“ für Tabea Rößner

Einer der Höhepunkte des Tages war zweifellos die Verleihung des „Goldenen Schraubenziehers 2026“. Seit 2019 zeichnet der Runde Tisch Reparatur Persönlichkeiten aus, die sich herausragend für eine nachhaltige Reparaturkultur einsetzen – angefangen bei unserem Firmengründer Detlef Vangerow im ersten Jahr.
In diesem Jahr ging die Auszeichnung an Tabea Rößner (MdB a. D.). Über viele Jahre hinweg war sie im Deutschen Bundestag die parlamentarische Vorkämpferin für das Recht auf Reparatur. Beharrlich hat sie fraktionsübergreifend Allianzen geschmiedet, Anträge gegen Elektroschrott initiiert und den Boden dafür bereitet, dass Reparatur heute ganz oben auf der politischen Agenda steht.
Die feierliche Übergabe übernahmen Vangerow-Geschäftsführer Steffen Vangerow und Reparatur-Pionier Heinrich Jung („Tüftlerkönig“) gemeinsam im Namen des RTR-Vorstands. Mit dabei war auch Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck, der es sich nicht nehmen ließ, das Engagement für Ressourcenschutz direkt vor Ort in Reutlingen zu würdigen.
Tabea Rößner brachte es in ihren Dankesworten auf den Punkt:
„Früher war es ganz selbstverständlich, dass man Dinge repariert hat. Heute ist oft der Neukauf viel günstiger und man schmeißt schneller mal was weg. Aber wenn man von der Nachhaltigkeit denkt, von den Ressourcen denkt, ist die Arbeit der Reparateurinnen und Reparateure ganz, ganz wichtig.“
Die Stimme der Werkbank: Warum Praxis-Know-how in Berlin und Brüssel zählt
Dass dieses Netzwerktreffen bei Vangerow stattfand, hatte symbolischen wie praktischen Charakter. Steffen Vangerow ist nicht nur Vorstandsmitglied des RTR, sondern selbst gelernter Informationselektroniker. Über Vangerow vertritt er die Stimme von rund 1.000 freien Reparaturwerkstätten in ganz Deutschland.
Gerade jetzt, nachdem auf europäischer und nationaler Ebene wichtige Weichen für das Recht auf Reparatur gestellt wurden, beginnt die eigentliche Bewährungsprobe:
„In Gesetzestexten klingt vieles gut, aber der Teufel steckt im technischen Detail“, betonte Steffen Vangerow in den Diskussionsrunden. „In der Politik sprechen oft Juristen, Hersteller und Verbraucherschützer miteinander. Das ist wichtig – reicht aber nicht. Wer echte Reparierbarkeit will, muss diejenigen fragen, die tagtäglich mit Schraubendreher, Lötkolben und Oszilloskop an der Werkbank stehen. Nur wenn Ersatzteile, Diagnosesoftware und Schaltpläne bezahlbar und frei zugänglich sind, kommt das Gesetz auch wirklich bei den Menschen an.“
Austausch: Was tun gegen den Fachkräftemangel?
Reparieren schont Ressourcen und schützt das Klima – doch wer soll die Geräte in Zukunft wieder flottmachen?
Ein zentrales Thema des Treffens war der drängende Fachkräftemangel im reparierenden Handwerk. Viele Inhaber inhabergeführter Werkstätten gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand; gleichzeitig fehlt es an Nachwuchs, der die komplexe Fehlerdiagnose moderner Elektronik von der Pike auf lernt.
Um diesem Trend nicht tatenlos zuzusehen, haben die Mitglieder des Runden Tisches unter anderem das Thema Fachkräftemangel diskutiert und auch in den Fokus der politischen Arbeit gestellt.
Gemeinsam mehr bewegen: Der Runde Tisch Reparatur braucht Ihre Unterstützung!
Das Treffen in Reutlingen hat einmal mehr gezeigt, wie schlagkräftig das Bündnis ist, wenn Wissenschaft (wie die DHBW Mannheim), Initiativen (wie iFixit und anstiftung), Verbraucherschützer und das praktische Handwerk an einem Strang ziehen.
Doch die Arbeit des Runden Tisch Reparatur e.V. finanziert sich nicht von allein. Um weiterhin unabhängig gegenüber Ministerien und Konzernen aufzutreten, Gutachten zu erstellen und die Reparaturwende noch wirksamer in die breite Öffentlichkeit zu tragen, ist das Netzwerk dringend auf Spenden angewiesen.
Helfen Sie mit, das Recht auf Reparatur Wirklichkeit werden zu lassen:
Ob als Privatperson oder engagiertes Unternehmen – jede Spende stärkt die unabhängige Stimme für langlebige Produkte und den Erhalt unserer Werkstätten.
Hier können Sie die Arbeit des Runden Tisch Reparatur direkt unterstützen:
https://runder-tisch-reparatur.de/mitmachen/
Wir danken allen Teilnehmenden vor Ort in Mittelstadt sowie den digital Zugeschalteten für den inspirierenden Tag, den ehrlichen Austausch und den unermüdlichen Einsatz für eine zukunftsfähige Reparaturkultur!