Offener Brief an die Parteien

Anlässlich der Bundestagswahlen hat der Runde Tisch Reparatur einen offenen Brief an die wichtigsten Parteien geschrieben.
Der Runde Tisch Reparatur ist unter Mitwirkung von Vangerow im Oktober 2015 gegründet worden und kämpft in Berlin um ein Recht auf Reparatur, um haltbarere Produkte und für den Fachhandel.

Wir nehmen hier als Beispiel die CDU. In ähnlicher Form ging das Schreiben auch an andere Parteien.

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Sehr geehrter Herr Abgeordneter, sehr geehrte Frau Abgeordnete und Mitglied der CDU-Fraktion des Deutschen Bundestages,

Anlässlich der bevorstehenden Bundestagswahlen bitten wir Sie höflich darum, sich die Zeit zu nehmen, sich kurz dem Thema „Reparatur“ zuzuwenden. Mindestens drei aktuelle Befragungen (Eurobarometer, Bundesverband Verbraucherzentralen, TU-Berlin) beweisen, dass die mehr als zwei Drittel der Verbraucher defekte Geräte reparieren lassen wollen und an langlebigen Produkten interessiert sind.

Der Runde Tisch Reparatur ist ein Netzwerk aus Handwerksbetrieben, Umweltorganisationen, Wirtschaftsverbänden, Verbraucherzentralen und Reparatur-Initiativen. Wir fordern die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Reparaturinformationen. Mit gutem Grund: Die Erfahrung zeigt, dass viele Produkte repariert werden können, wenn das Ersatzteil zu vernünftigen Preisen zur Verfügung steht. Weitere zentrale Forderungen des Runden Tisches sind reparaturfreundliches Produktdesign, die Verfügbarkeit von aktueller Software, der Zugang zu gebrauchten Ersatzteilen und die steuerliche Förderung von Reparaturen.

Der Runde Tisch Reparatur ist in den letzten Monaten der Frage nachgegangen, ob die Beschwerde der Werkstätten berechtigt ist, dass Hersteller nur noch EIGENE Werkstätten mit Ersatzteilen beliefern. Leider hat sich dies in den meisten Fällen bewahrheitet: Selbst zertifizierte Meisterbetriebe werden von vielen Herstellern nicht mehr mit Ersatzteilen beliefert, obwohl diese fachlich und technisch kompetent sind.
Alle Ergebnisse der Aktionen „Ersatzteilfalle Hersteller“, die von einem unserer Mitgliedsunternehmen in Angriff genommen wurde, finden Sie unter www.reparatur-revolution.de.

Der Runde Tisch Reparatur stellt fest:

Die Weigerung, Ersatzteile nicht oder nicht in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen
-ist nicht im Interesse der VerbraucherInnen,
-fördert Ressourcenverschwendung,
-ist ein Missbrauch von Marktmacht und damit wettbewerbsverzerrend,
-zerstört Arbeitsplätze und
-gefährdet die Nachhaltigkeitsziele der Bundesregierung.
Dieses Verhalten ist umso ärgerlicher, als es in Europa Nachbarländer gibt (z.B. Schweden oder Frankreich), in dem die Politik gezeigt hat, dass Regulierungen möglich sind. Mit dem „Loi Hamon“ sind Hersteller und Händler dazu verpflichtet, dass Informationen über die Verfügbarkeit von Ersatzteilen veröffentlicht und von den Kunden vor dem Kauf zur Kenntnis gegeben werden müssen. Und dass dieses Versprechen natürlich auch EINGEHALTEN werden muss. Das Gesetz hat bereits erreicht, dass eine sehr große Zahl von Herstellern inzwischen öffentlich gemacht hat, wie lange sie Ersatzteile zur Verfügung stellten (zwischen 3 und 11 Jahren). Weitere Informationen mit konkreten Daten darüber finden Sie hier. Schweden hat inzwischen die Reparatur steuerlich gefördert (reduzierter Umsatzsteuersatz, Steuerabzugsfähigkeit). Nähere Informationen dazu finden Sie hier.

Leider haben wir in Ihrem CDU-Regierungsprogramm überhaupt keinen Hinweis auf diese Thematik gefunden. Weder wird die Reparaturfreundlichkeit von Produkten, das Recht auf Reparatur oder preisgünstige Ersatzteile im Kontext Verbraucherschutz noch im Kontext Umwelt-Klima-Ressourcenschutz erwähnt.

Wir möchten Sie daher bitten, uns mitzuteilen, was Sie persönlich oder Ihre Partei tun können/wollen, um in der nächsten Legislaturperiode das Thema Ersatzteilverfügbarkeit zu lösen und uns mitzuteilen, wie Sie die Tatsache beurteilen, dass viele Hersteller ganz offensichtlich ihre Marktmacht missbrauchen und die Existenz vieler Kleinbetriebe gefährden.
Wir bitten um zeitnahe Antwort, um die Ergebnisse auf unserer Website veröffentlichen zu können.

Mit freundlichen Grüßen
i.a. des Runden Tisches Reparatur
Christine Ax, Antonia Reichwein

 

Nachfolgend hier konkrete Beispiele für die Antworten von Herstellern auf die Anfrage zur Belieferung mit Ersatzteilen von einem zertifizierten Meisterbetrieb.

Panasonic: Ersatzteile nur für die eigenen Werkstätten
Der Zugang zu Pana-Net [Ersatzteilbestellsystem] ist limitiert und nur registrierte Kunden von Panasonic sind zugangsberechtigt. Eine Vergabe von Kundennummern zur Nutzung des Pana-Net wird derzeit und in absehbarer Zukunft von uns nicht vergeben. Eine optimale Ersatzteilversorgung ist zum Beispiel über das Netz unserer Panasonic Service Center gewährleistet. Eine aktuelle Liste unserer Panasonic Service Center haben wir beigelegt.“

Vorwerk: Ersatzteile nur für die eigene Zentralwerkstatt
Dieser Hersteller lehnt die Anfrage komplett ab:
„Allerdings müssen wir Sie darauf hinweisen, dass wir unsere Produkte ausschließlich an Endverbraucher liefern. Stromführende Ersatzteile versenden wir zudem grundsätzlich nicht. Diese Ersatzteile sind nur im Zusammenhang mit einer Reparatur in der Zentralwerkstatt erhältlich. Nur ausgebildete Techniker dürfen Reparaturen an stromführenden Teilen vornehmen. Bestellungen lehnen wir aus den genannten Gründen insofern ab.“

Apple: Ersatzteile nur mit Autorisierung
„vielen Dank für Ihr Interesse an Apple und Ihre Bewerbung als Apple Authorized Service Provider. Wir haben in letzter Zeit unseren Service Channel an die erforderlichen Kapazitäten angepasst und haben derzeit leider keinen weiteren Bedarf neue Partner für den Service zu autorisieren.
Sollten Sie für Ihr Unternehmen einen autorisierten Service Partner für eventuelle Reparaturen suchen, finden Sie hier weitere Informationen.“ Ersatzteile gibt es also nur für Authorized Service Provider, aber das können wir laut Apple auch nicht werden. Das wollten wir aber nicht glauben und hakten deshalb nochmals nach. Die Antwort kam auch postwendend: „Ersatzteile gibt es nur mit Autorisierung.“

HUWAI, LG, ZTE, LOEWE, DeLONGI, HTC u.a.
Die Liste der Hersteller, die noch nicht einmal Meisterbetriebe – und schon gar nicht andere Akteure, wie Reparatur-Initiativen oder Verbraucher mit ET beliefern ist lang. Alle Informationen zur Kampagne „Ersatzteilfalle Hersteller“ finden sie auf www.reparatur-revolution.de. Die Verbraucherzentrale NRW, die auch Mitglied des Rundes Tisches Reparatur ist, hat sich jetzt auch eingeschaltet, und macht eine Umfrage unter Herstellern, wie sie es mit der Belieferung von ET halten.

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