Es wird immer dramatischer: Laut einer neuen Studie der Universität der Vereinten Nationen in Bonn bedroht die sprunghaft steigende Menge an Elektroschrott vor allem in den Ländern Ost und Südost-Asiens inzwischen vielerorts erheblich die Gesundheit der in der Region lebenden Menschen. Zwischen 2010 und 2015 verdoppelte sich allein etwa in China der Müllberg mit giftigen Hinterlassenschaften des menschlichen Konsumwahns.

 

In Hinterhof-Werkstätten versuchen dort „Recycling-Unternehmen“ aus ausrangierten Handys, Computern, TV-Geräten oder Gadgets zwar wertvolle Rohstoffe zurück zu gewinnen – meist jedoch unter katastrophalen Bedingungen. Das führt zu Verschmutzungen der Umwelt, die Arbeiter atmen ungeschützt gesundheitsschädliche Substanzen ein, über die Haut gelangen die Gifte zusätzlich in die Körper der meist ungelernten Arbeiter und verseuchen so schleichend deren Organismus. Viele erkranken. Diese Praktiken dokumentiert seit Jahren unter anderem der US-Aktivist Jim Puckett mit seiner Umweltschutzorganisation Basel Action Network.

 

Die UNO-Wissenschaftler nahmen daher jetzt 12 Länder der Region genauer unter die Lupe: Vietnam, Thailand, Taiwan, Singapur, die Philippinen, Malaysia, Südkorea, Japan, Indonesien, Hongkong, China und Kambodscha. Im Durchschnitt vergrößerte sich binnen der zurückliegenden fünf Jahre der E-Schrott in diesen untersuchten Ländern um rund zwei Drittel und betrug Ende 2015 bereits 12,3 Millionen Tonnen! Weltweit berechneten die Wissenschaftler aus Japan und Deutschland für ihre UN-Studie den aktuellen E-Schrottberg auf satte 56,5 Millionen Tonnen.

 

Die ostasiatische Region gilt als die Werkbank der Welt für elektrische und elektronische Geräte. Zwar leben die meisten Kunden und Nutzer – noch! – in den westlichen Industriestaaten, doch der rasche wirtschaftliche Aufstieg gerade der asiatischen Produktionsländer könne dieses Blatt rasch wenden, befürchten die Experten. Die Zahlen des Untersuchungszeitraums bestätigen das. Im Durchschnitt der 12 Länder stieg der Elektroschrott in diesen 5 Jahren um 63 Prozent nach oben. Spitzenreiter ist China: Dort kletterte der gefährliche Abfall sogar um 107 Prozent.

 

Was vor allem fehle, so die Wissenschaftler, seien Regeln für ein Recycling der eingesetzten Stoffe und Vorschriften für einen sicheren Umgang mit den Materialien. Hier, so die Experten, sind die Politiker gefordert, endlich – und rasch – Maßnahmen zu ergreifen. Wichtig sei vor allem auch ein Umdenken und eine Abkehr von den sich immer rascher drehenden Produkt-Zyklen der Geräteindustrie. Das heize einerseits zwar den Konsum an. Es produziere aber auf der Gegenseite auch Müll, weil die Kunden dann immer häufiger noch funktionstüchtige Elektro- und Elektronikgeräte zu „alten Eisen“ erklären, anstatt sie zu reparieren und weiter zu nutzen. Das allerdings gilt nicht nur für Asien. Deutschland führt in Europa das Negativranking bei Elektroschrott an. Wir hinterlassen ebenfalls jährlich etwa 700.000 Tonnen E-Müll.

 

Elektroschrott Basel Action Network
Foto Quelle: Basel Action Network

BAN investigators found dumped TV monitors in Utah in 2014

Hinterlassen Sie eine Antwort