Manche Konzepte der japanischen Kultur sind nicht leicht zu verstehen. Aber es gibt zumindest eines, dass im Zusammenhang mit dem Thema Reparatur fasziniert: Kintsugi. Kintsugi meint zunächst nur eine Reparaturtechnik, bei der zerbrochene Keramikstücke wie Vasen, Schalen, Trinkbecher u.ä. mithilfe einer Mischung aus Chinalack und Goldstaub wieder zusammengesetzt werden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kintsugi

 

Die so reparierten Gefäße haben einen hohen ästhetischen und ideellen Wert für ihre Besitzer. Die Fehlerhaftigkeit des Gegenstandes wird nicht kaschiert, sondern durch Gold und Lack kunstvoll zu einem neuen, wesentlichen Aspekt des Gesamtbilds umgearbeitet.

http://tsugi.de/kintsugi-beispiele/chawan-1.html

 

Kintsugigefäße sind traditionell ausdrücklich für den Weitergebrauch bestimmt, sie sollen keine Ausstellungsstücke sein. Die Leidenschaft für diese Keramiken kann so weit gehen, dass Gefäße absichtlich zerschlagen werden, um sie dem Kintsugi-Prozess zu unterziehen.

 

Verstiegenes Zeug? Vor Jahren brauchte ich ein Mikrofon für Stimmaufnahmen. Ich kaufte mir ein Standardmikrofon von einem bekannten Hersteller – nichts Besonderes, aber auch nichts allzu Billiges. Das Ergebnis war nicht befriedigend: Trotz sorgfältiger Vorbereitung klangen die Aufnahmen flach und kraftlos. Da hörte ich von einer amerikanischen Werkstatt, die behauptete, auch Geräte meines Typs für relativ kleines Geld aufrüsten zu können. Trotz meines Misstrauens wagte ich den Versuch und wurde mit eindeutigen Ergebnissen belohnt. Das Mikrofon klang um Klassen besser. Im Grunde war das so etwas Ähnliches wie Kintsugi gewesen: Der Elektroniker hatte mein Mikrofon auseinandernehmen und mit neuen Bauteilen wieder zusammensetzen müssen. Das können und wollen große Hersteller nicht leisten, die auf Stückzahlen und standardisierte Baureihen fixiert sind. Reparaturen und erst recht Umbauten sind ab einer gewissen Güte immer Spezialisten vorbehalten.

 

Die Spezialisten bei REPARIERBAR.de betreiben kein Kintsugi. Aber die japanische Keramikkunst erinnert daran, dass etwas Zerbrochenes nicht unbedingt sofort in den Müll gehört – und dass manchmal etwas Repariertes sogar besser sein kann als das neue Original.

 

Foto: M. Hammerschmitt
Foto: M. Hammerschmitt

 

 

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