„Reparieren statt wegwerfen: Das steht auf der politischen Agenda“ – unter dieser Überschrift beleuchtet die Handwerkszeitung u.a. mit Steffen Vangerow die aktuelle Entwicklung in Deutschland und Europa.

Zum „Recht auf Reparatur“ gibt es sowohl einen Vorschlag der EU-Kommission als auch eine Ankündigung im Koalitionsvertrag. Besonders bedeutend für das „Recht auf Reparatur“ ist die Ökodesign-Richtlinie der EU. Sie schafft die Basisregeln dafür, wie Geräte von Anfang an umweltfreundlicher und reparaturfähiger hergestellt werden. Die Ökodesign-Richtlinie greift schrittweise nach einzelnen Produktgruppen. Schon seit 2021 gilt sie für Elektrogroßgeräte wie Waschmaschinen und Kühlschränke. Für Smartphones und Tablets ist sie bereits beschlossen, aber noch nicht im Amtsblatt veröffentlicht. Erst dann startet eine 21-monatige Übergangsfrist für die Hersteller, so dass die Richtlinie frühestens 2025 in Kraft treten kann. Im nächsten Schritt geht es dann um Textilien und Schuhe. „Die Trilog-Verhandlungen dazu werden bald starten“, sagt Katrin Meyer.

Ähnlich langfristig ist die Umsetzung der Vorgaben der neuen EU-Batterieverordnung, die ebenfalls die Reparierbarkeit mit einbezieht. Sie legt fest, dass Akkus besser austauschbar und insgesamt langlebiger werden müssen. Allerdings dauert es, bis die reparierenden Betriebe davon profitieren können, da die neue Regelung meist nur für Geräte gilt, die zukünftig gebaut werden.

Wirklich spruchreif ist hingegen schon der erst kürzlich beschlossene Data Act. Allerdings nur mit mäßigem Erfolg, da er das große Problem der Softwareblockaden nicht löst. (Dabei bauen Hersteller Software-Blockaden ein – vor allem beim iPhone – wodurch einzelne Funktionen nach der Reparatur nicht mehr nutzbar sind oder gar nichts mehr geht.)

Der beschlossene Data Act regelt ausschließlich den Zugang zu Daten, die in vernetzten Geräten gespeichert werden. Zwar können auch diese reparaturrelevant sein, an den Blockaden in den Geräten, die die Funktionen steuern, hat er aber keinen Einfluss. So wertet auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) den Data Act als wichtig, aber nicht als Durchbruch für wirklich mehr Reparaturen.

Und dann ist da noch die Wirtschaftlichkeit.

Damit die Reparatur noch mehr in der Mitte der Gesellschaft ankommt, muss sie auch wirtschaftlich sein. „Über einen kaputten 10-Euro-Stabmixer vom Discounter brauchen wir nicht diskutieren“, sagte Steffen Vangerow im Gepräch mit der Handwerkszeitung.

„Im Haus der Eigenarbeit in München sieht Leiterin Leila Trende das Voranbringen einer neuen Reparaturmentalität als politische und gesamtgesellschaftliche Aufgabe an. Helfen könne es, wieder einen Zugang zum Selbermachen und Selberreparieren zu bekommen. „Selbermachen schafft Bezug zum Handwerk, den viele Menschen verloren haben, wenn sie Massenware der Industrie konsumieren“, sagt sie. Bei ihr in den Kursen entstehe auch wieder ein Verständnis, wie viel Arbeit und auch Kosten in einem Stuhl zum Beispiel oder einer Radioreparatur stecken können. Wer ein Verständnis dafür habe, schätze handwerkliche Arbeit auch wieder mehr.“ Und ist hoffentlich bereit, diese Leistung auch ordentlich zu honorieren.

Ganz praktisch könnte hier der Reparatur-Bonus helfen

Um Reparaturen wieder mehr zur Gewohnheit zu machen, fordert der Runde Tisch Reparatur einen bundesweiten Reparaturbonus. Nach dem Vorbild von Thüringen, wo es einen derartigen Bonus schon in dritter Auflage gibt, soll es ihn in ganz Deutschland geben. In Thüringen bekommt jeder Bürger die Hälfte der Kosten für eine Reparatur pro Jahr bis maximal 100 Euro auf Antrag zurückerstattet. Der Runde Tisch setzt dabei den Fokus anfangs auf Reparaturen von Elektro- und Elektronikgeräten und Kosten bis zu 200 Euro. Doch das sei ausbaufähig auf andere Produktgruppen.

 

Steffen Vangerow weiß von Kollegen aus Thüringen, dass der dortige Bonus den Reparaturbetrieben viele neue Aufträge gebracht hat. Er steigere das Interesse an Reparaturen und federe das ab, was derzeit noch an Mehrkosten im Vergleich zum Neukauf manches Mal entstehe. Langfristig sollte sich aus Sicht des Reparaturhandwerkers allerdings noch vieles mehr ändern, damit Reparieren wieder gefragter sei als die noch tief verwurzelte „Geiz-ist-geil-Mentalität“.

Fragt sich, wo die ganzen Reparateure herkommen sollen

Fachkräftemangel wohin man blickt. Meisterzwang für die Reparatur von Geräten „mit Stecker“ – da ist noch viel zu tun. Weniger Bürokratie könnte für mehr Zeit für Reparaturen sorgen: „Handwerksbetriebe spielen bei der Verlängerung des Lebenszyklus eines Produktes eine entscheidende Rolle… Voraussetzung für einen solch verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen ist aus Sicht des ZDH allerdings, „dass man die Handwerkerinnen und Handwerker auch einfach mal machen lässt und ihnen ausreichend Raum zugesteht, um überhaupt eine große Anzahl von Gegenständen reparieren zu können.“ Der Verband warnt das Thema mit zu vielen gesetzlichen Vorschriften, neuen formellen Pflichten und Reglementierungen zu belasten.“

Den Artikel in der Handwerkszeitung finden Sie hier.

Bild von Marijana auf Pixabay

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